A Travellerspoint blog

Zacapa

sunny 39 °C

Langsam lebt man sich hier ein. Das ist schon an vielen (alltäglichen) Dingen zu sehen. Zum Beispiel ist man nicht mehr so erstaunt über Verhaltensweisen oder Bräuche. Zum Bespiel das Schwein was hier unter unserem Fenster geschlachtet wurde war solch ein Kulturschock. (eins wurde auch mal Nachts um 3 getötet, mit einhergehender Schlaflosigkeit des Grigos) Aber neulich fühlte ich mich da nicht mehr so aufgewühlt und hatte es nach 10 Minuten wieder vergessen. Oder ganz kleine Sachen.... nur allzu oft ist es passiert, dass man neben dem Vater steht und langsam beginnt den Faden zum erratenem Gespräch zu verlieren, den Blick abschweifen lässt und dabei ne Echse entdeckt. Und kleinkindergleich geht sofort der strahlende Blick, mit Glitzern in den Augen, in Richtung Umherstehende: „Guckt mal schnell! Ne EIDECHSE!“ ....die unter den Leuten die das sprachlich nich verstanden haben, schauen mitgerissen auf den gezeigten Fleck, und nach 5-6 Sekunden schweift der gelangweilte Blick wieder zurück, man wird fix von oben bis unten gemustert, und dann folgen äußerst höfliche Fragen nach meinem Alter und meinem Wohlbefinden.
Ja das ist langsam abgeharkt, schon weil man an manchen Tagen so zwischen 20 bis 30 Echsen sieht.
Man gewöhnt sich auch ab, Leute die zwo Schießeisen & dazugehörigen Magazinen am Gürtel haben perplex anzustarren. Oder der Typ der hier in unserer Zwischenstation zur Stadt manchmal mitwohnt, als der mir stolz seine Knarre, Hundekampfvideos oder Kampfhähne zeigte, oder von den beiden Leuten erzählte die er in den Staaten bei seinem Dealen weggeballert hat, stand ich schon recht fassungslos und geladen herum. Aber irgendwie merkt man dann nach ner Weile, dass der wirklich psychisch was weg hat und gar nicht anders kann, als solch einen Scheiß in seinem Kopf toll & respektwürdig zu finden. Dann kommt sogar Mitleid auf, dass er wirklich so ein beschränktes Bild und Emotionen besitzt und nur solche durch Andere erfahren hat. Ja, nicht das man sich an solche Geschichten gewöhnt (oder das überhaupt will), nur erschrecken die nach einer Weile nicht mehr so dolle, aber trotzdem spürt man die Kriminalität nicht so wie sie überall beschrieben ist, die meißten Morde passieren soundso nur weil zwei Spitzbuben Probleme miteinander haben.
Aber die penetranten und Charts pflegenden Boxen in Autos oder auf Märkten flucht man schon gerne mal weg:-). Und aufgebohrte Auspuffe sollte man nun wirklich verbieten. Man springt da schonmal zur Seite wenn der Mopedfahrer wiedermal Gas gibt, da man glaubt das sich die Enterprise mit Warp 9 ankündigt. Aber erst 2 Motorradfahrer mit Helm hab ich gesehen, so das man sich dann doch manchmal bei bösen Gedanken ertappt. Aber echt nichmal die Polizei trägt Helme auf ihren Motorrädern! Ich will garnich wissen, wie sich denn eine Hummel bei 80, schön zwischen den Augen platziert, anfühlt. Aber scheinbar passiert so etwas zu selten, ich weiß nur das die Mücken beim Elbradweg schon unschön sind. Und soundso gibts anscheinend keine Verkehrsregeln, wenn eins der Autos größer ist, fährts halt zuerst oder, wie heut gesehn, winkt der Busfahrer durch das große Loch in seiner zersplitterten Frontscheibe den anderen rein:).
Auf der Strecke ins Dorf fährt man ein Stück auf einer neugeteerten Straße (von ausländischen Investoren, Teerstraßen gibts selten in der Stadt) und da seh ich nen Alten Cowboy der mit seinem Pferdchen eine Maisladung wegkarrt und vorbei fährt ein Porsche Geländewagen mit getönten Scheiben, Spinners, Unterbodenbeleuchtung und betäubender Ekelmugge. Mal ein Bild unter dem der Gipfel in Davos tagen sollte. Achgenau, was noch dazu passt: Neulich wurde mir von nem Typ erzählt, der richtig von der Verwaltung aus, in der Stadt rumzuspaziert um jeweils nach einem Tag einen Stadtteil das Wasser abzudrehen und, dieses begrenzte, dem anderen zur Verfügung zu stellen. Was soll den das? (und so was in einem Land das einen Haufen Süßwasserseen, große Flüsse und natürlich eine wichtige eigene Computerindustrie besitzt. Taugt der Mensch denn nich für Investitionen?)
Schade wirklich das so eine schreiende Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Kurzsichtigkeit das Leben in den Städten begleiten, da (oder etwa weil?) dieses Leben umso bunter und facettenreicher gerade dort stattfindet. Die Märkte sind immer voller Trubel und überall wo man hinsieht gibts was zu beobachten. An sich wirklich erlebenswert und mitreißend. Der Großteil ist im einzelnen sehr nett und hilfsbereit und scheint recht zufrieden. Man hat aber das Gefühl, dass die Stadt so doch niemals auch nur ein weiteres Jahr überlebt, ohne logistisch, ökologisch und demografisch über ihre schon längst erreichten Grenzen zu platzen, deswegen ist mir das jahrtausende lang erprobte Landleben lieber, das im Gegensatz dazu überschaubar, wenn nicht sogar berechenbar daherkommt. Ich bin gespannt wie ich das alles in ein paar Monaten sehen werde, aber momentan könnt ich mir nie vorstellen in einer Lateinamerikanischen Großstadt zu leben.
Letztes Wochenende war Juli mit uns nach Zacapa, Chichimula und Eskipula gekommen. Dort waren wir lange auf dem Markt und bei der Kirche des Schwarzen Jesu. Erstmal der halbe Markt ist voll von Jesuskitsch und bestimmt zweitausend Leute standen in einer ewig langen, aber geduldigen Schlange vor der Kirche um die Statue aus dunklem Holz einmal sehen zu können. Dann gings zurück nach chichimula, was bis jetz die „hübscheste“ Stadt war. Dort haben wir für zusammen 3,50€ mit Swimmingpool ein Zimmer bekommen. Jou, nun werden wir erneut nach Las Lajas fahren und dort schön abgeschieden die Zeit verbringen.:)
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Posted by philipo 09:36 Archived in Guatemala

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Comments

haidiho ich grüße dich erst ma recht herzlich!!!! ich würde dir zu gern schreiben und hab ganz viele tolle mails geschrieben aba egal wo ich se hinschicke es kommt imma die meldung "mail return to sender"! haste da ma ne adresse für mich! lg gruß von der lotte

by lottelaura

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